Wir für Dessau-Roßlau
15.02.2005 Ist die Konzeption für die Jugendarbeit in Dessau nach langem Verhandeln nun endlich fertig? Am 22. Februar soll in einer Sondersitzung des Jugendhilfeausschusses im Eilverfahren nun ein Papier beschlossen werden. Dieses soll Grundlage für die Sparbeschlüsse in der Förderung der Jugendarbeit sein, weil sich die Finanzen der Stadt Dessau unter dem Druck der Kürzungen des Landes nicht mehr ausgleichen lassen. Wie kam es dazu?
Seit 2001 wird immer mal wieder an der Fortschreibung der Konzeption gearbeitet, unterbrochen u.a. durch das Hochwasser 2002. Es wurde eine Darstellung der Angebote zur Jugendarbeit (städtische und freie Jugendtreffs, kirchliche Jugendarbeit, etc) erstellt und diese dann in drei Foren öffentlich beraten. Danach wurden die finanzierbaren Stellen in den Einrichtungen neu verteilt. Beide Aussagen finden sich in der Vorlage.
Was die Konzeption nicht enthält sind Kriterien, nach denen Einrichtungen in den Stadtgebieten und mit welchem Spektrum vorgehalten werden sollen. Auch werden für städtische und freie Einrichtungen nicht gleiche Maßstäbe angelegt. Bei städtischen Jugendclubs wird der derzeitige Tarifvertrag mit 35 Std/Woche angegeben, um sich nicht mit Anpassungen zu befassen, während für freie Träger die städtische Förderung scheinbar unmittelbar gekürzt werden kann. Haben die halt Pech gehabt! Das haben wir bisher zu verhindern gewusst.
Darüber hinaus gibt es keine objektive, von Sparzwängen unabhängige Bedarfsanalyse. Wir wissen also nicht, welcher Bedarf an Jugendeinrichtungen in Dessau vorhanden ist, damit der Auftrag des Gesetzgebers (heute SGB VIII) für eine vernünftige Förderung unserer Jugendlichen umgesetzt werden kann. Kinder- und Jugendeinrichtungen sollen auch dazu dienen, den Heranwachsenden Hilfen bei ihrer Entwicklung unter Gleichaltrigen und Orientierungspunkte im Blick auf ihr Erwachsenenleben zu geben.
Das Dessauer Angebot soll sich nach dem derzeitigen Konzept im Wesentlich danach richten, was gerade finanzierbar ist. Natürlich ist das ein wichtiger Aspekt, aber zuvor muss die Feststellung des Bedarfs liegen. Denn was wir in diesem so genannten „freiwilligen“ Bereich versäumen, zahlt der Steuerzahlen später mit so genannten „Pflichtaufgaben“ wie Heimunterbringung, Resozialisierung bis hin zum Strafvollzug.
Zwei Beispiele mögen dies verdeutlichen: Mit der vom Land geförderten Schulsozialarbeit hatten wenige Modellprojekte wirklich gute Ergebnisse vor allem an Sekundarschulen im Sozialverhalten und bei einzelnen Auffälligkeiten gezeigt. Seitdem die jetzige Landesregierung dies nicht mehr fördert, ist diese Arbeit weggefallen. Nun sollen mit 1-€-Jobs allerlei Maßnahmen in den Schulen möglich werden, aber nicht mit Fachpersonal, sondern mit ALG II Empfängern. Hier wird Facharbeit unmöglich! In den Jugendclubs hingegen will das Land nur noch hoch qualifiziertes Personal fördern!
Auch die Straßensozialarbeit – eine ausgesprochen schwierige Aufgabe – gibt es in Dessau kaum noch. Dabei ist lange bekannt, dass viele Jugendliche ein ausgesprochen wanderfreudiges Publikum sind. Viele treffen sich je nach Wetter an „open air“ oder in Clubs/Einkaufszentren. Diese Gruppen einzubinden ist eine wichtige Aufgabe – Geld wird dafür aber kaum eingesetzt.
Für uns ist nur eine Konzeption ausreichend, die eine Entwicklung aufzeigt, mit der unsere Jugendlichen in Zukunft angemessen begleitet werden. Dazu müssen viele zusammenarbeiten – auch wir als Vertreter der Bevölkerung. Die Pflicht zur Erarbeitung und zur Vorlage liegt in diesem Fall aber beim Jugendamt. Dann tun wir wie bisher unseren Teil (ehrenamtlich) auch mit Freuden dazu.
Stefan Giese-Rehm