Logo BlBürgerliste/Die Grünen

FraktionFraktion im Stadtrat Dessau-Roßlau

Land braucht Stadt

Masterplan Kultur

29.10.2010 Am 22. September wurde durch Herrn Dr. Raschpichler, Beigeordneter für Gesundheit, Soziales, Bildung und Kultur dem Kulturausschusses erstmals der so genannte Masterplan Kultur vorgelegt und anschließend beraten.

An einen „Masterplan Kultur” muss man gerade in Dessau, einer Stadt mit einer außerordentlich hohen kulturhistorischen Bedeutung, die sich auch in der Tatsache niederschlägt, dass Dessau zu den weltweit wenigen Städten mit drei UNESCO-Welterbestätten zählt, zwingend eine herausragende Erwartungshaltung haben. Bereits im Vorfeld ist die Vorlage, an der vom zuständigen Dezernenten seit mehr als zwei Jahren gearbeitet wurde, in der Dienstberatung des Oberbürgermeisters kontrovers diskutiert worden. Aufgrund vieler inhaltlicher wie logischer Mängel ist die Vorlage immer wieder zurückgehalten worden.

Tatsächlich weist der Masterplan zahlreiche Ungereimtheiten auf, von denen hier einige exemplarisch benannt werden sollen:

Generell fällt zunächst auf, dass der Masterplan in Bezug auf die Finanzierung der darin formulierten Vorschläge äußerst unkonkret bleibt. Fast alle Probleme sollen durch eine „dauerhafte institutionelle Förderung durch das Land”, „Landesträgerschaften” oder durch eine „finanzielle Beteiligung des Bundes” gelöst werden. Hier stellt sich die Frage, ob die genannten Vorschläge auch belastbar sind, oder ob hier nicht einmal mehr Erwartungen geweckt werden, die letztlich nicht ansatzweise realistisch sind.

Bezeichnenderweise liefert der Masterplan zudem in vielen Bereichen keine konkreten Aussagen zu den entstehenden (Umbau-) Kosten. Von einem „Masterplan” muss aber – insbesondere nach einer üppigen Bearbeitungszeit – eben dies erwartet werden können.

Eine profane Aufzählung möglicher Entwicklungs- und Ausstellungsorte ist hier eindeutig zu wenig. Mit einer derartigen Arbeitsweise werden die zahlreichen bisherigen Überlegungen und Aktivitäten zu den Problemfeldern dieser Stadt völlig ignoriert. Dies soll mit einigen konkreten Beispielen belegt werden: Die „Eisenkunstgusssammlung Ewald Barth” wurde 2001 mit finanzieller Unterstützung der Ostdeutschen Sparkassenstiftung erworben. Verbunden mit der Förderung des Ankaufs war die berechtigte Erwartungshaltung, die Sammlung kurzfristig an einem adäquaten Ausstellungsort zu zeigen. Im Masterplan Kultur wird diesbezüglich auf eine Konzeption aus dem Jahr 2006 zurückgegriffen: So soll zunächst eine Stiftung gegründet werden, welche die Sammlung verwaltet und betreibt. Als mögliche Ausstellungsstandorte werden dann der Turm der Marienkirche (!), die Brauereien Schade bzw. Schultheiss sowie der neue Wasserturm benannt. Mit Ausnahme der Marienkirche ist keines der vorgenannten Gebäude in städtischem Besitz, die Ausstellung in einem Turm zu zeigen, dürfte aufgrund bauordnungsrechtlicher Auflagen kaum zu realisieren sein.

Das Technikmuseum Hugo Junkers soll nach den Vorgaben des Masterplans in einem „Landesmuseum für Technik und Industrie” am etablierten Standort „Technikmuseum” sowie auf dem „sanierten Gelände des ehemaligen Junkalor” aufgehen. Insbesondere um den Erhalt von „Junkalor” ist in den letzten Monaten von der Studentenschaft der Hochschule Anhalt heftig gekämpft worden, zwischenzeitlich wurde jedoch der größte Teil von „Junkalor” abgerissen. Es mutet einigermaßen weltfremd an, wenn der zuständige Dezernent, der sich bezeichnenderweise nicht in die seinerzeit laufende Diskussion eingeschaltet hatte, nach der fast umfassenden Vernichtung der denkmalwürdigen und kulturhistorisch bedeutsamen Gebäude hier ein Landestechnikmuseum etablieren will.

Um das akut anstehende Problem mangelnder Depotflächen zu lösen, wird im Masterplan vorgeschlagen, zunächst die ehemalige Schule am Schlossplatz zu einem Archivgebäude umzubauen. Danach soll im Bereich der Schade-Brauerei in der Langen Gasse ein zentrales Multifunktionsgebäude für Stadtarchiv, Büchereien und Depots unterschiedlicher Museen geschaffen werden. Nach dessen Fertigstellung soll dann die ehemalige Schule abgerissen werden.

In Bezug auf die Ideen für das Anhalt Forum „Luther – Bauhaus – Gartenreich” am Schlossplatz fällt auf, dass die dort präsentierten Institutionen im Vorfeld nicht ansatzweise eingebunden waren. So wurde weder mit der Stiftung Bauhaus noch der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz über eine inhaltliche Ausgestaltung dieser Vorschläge diskutiert. Ähnliches gilt auch für die Kurt-Weill-Gesellschaft, die nach dem Masterplan Kultur ihren Sitz im wieder aufzubauenden Kristallpalast (!) finden soll.

Fazit: Der Masterplan Kultur wird den in ihn gesetzten Erwartungen nicht ansatzweise gerecht. Die kulturellen Einrichtungen dieser Stadt sind aufgerufen, sich in die Verbesserung des vorgelegten Papiers einzubringen.

Thomas Busch

Externe Links:

Downloads: