Es war einmal:
Radlerstadt Dessau
17.03.2011 Seit Anfang Februar laufen nun die Bauarbeiten in der Albrechtstraße. Die Fahrbahndecke wird erneuert, ein lärmmindernder Straßenbelag aufgebracht, die vier Kfz-Fahrstreifen werden auf drei zurück gebaut und dabei weitere Parkplätze angelegt.
Die Maßnahme wird aus dem Konjunkturpaket II gefördert, dass das vorrangige Ziel der Lärmminderung verfolgt. Bis auf die Verwendung des „leiseren“ Straßenbelags wird nach der derzeitigen Planung keine weitere Lärmminderung, zum Beispiel durch Verlagerung von Kfz-Verkehr auf Bus und Rad erreicht. Somit wird dem Förderziel des Konjunkturpakets II nur in geringem Maße Rechnung getragen. Die vom Stadtrat beschlossenen Planungen sehen für den Umweltverbund (ÖPNV, Rad- und Fußgängerverkehr) keinerlei Verbesserungen vor, dabei sind die Rad- und Fußwege entlang der Albrechtstraße seit vielen Jahren in einem völlig desolaten, verkehrsgefährdenden Zustand. Die Umweltverbände ADFC, BUND, die Bürgerinitiative „Dessau – Natürlich Mobil“ sowie betroffene Bürger hatten dies moniert und (auch im Rahmen des „Bürgerhaushalts“) darauf hingewiesen , dass sich für die Stadt eine erhebliche Kostenersparnis erzielen ließe, wenn die Radverkehrsprobleme ebenfalls im Zuge dieser Baumaßnahme gelöst würden.
Trotz der Bürgervorschläge und der von unserer Fraktion auch in den Ausschüssen vorgebrachten Hinweise, beharrte die Stadtratsmehrheit auf Vorschlag der Verwaltung bei der äußerst unbefriedigenden Lösung Wir haben uns deshalb mit den genannten Umweltbänden beraten und die Chancen, doch noch eine bessere Lösung mit neuen Radwegen zu erreichen, ausgelotet.
Dabei stechen vor allem zwei Dinge ins Auge: Erstens könnte Lärmminderung ja auch Verringerung des motorisierten Verkehrs auf der Albrechtstraße heißen. Die Voraussetzung dafür ist bereits mit der Fertigstellung der Roßlauer Allee geschaffen worden. Im Ergebnis sank die Belastung auf der Albrechtstraße von ca. 25.000 auf ca. 14.000 Kraftfahrzeuge am Tag, also auf deutlich unter zwei Drittel! Durch konsequente Verkehrslenkung muss nun erreicht werden, dass weitere Anteile des immer noch über die Albrechtstraße fließenden Verkehrs auf die Roßlauer Allee verlagert werden. Die weitere Verringerung durch striktere Verkehrslenkung auf die Roßlauer Allee kann von Süden her sowohl ab der Kreuzung Hauptpost, als auch von der Museumskreuzung und über die Westumfahrung erfolgen. Genau für diesen Zweck wurde einst die Friedhofstraße vierstreifig ausgebaut,die heute völlig überdimensioniert wirkt. Von Norden müsste der einfahrende Verkehr ebenfalls stärker über die Roßlauer Allee gelenkt werden. Die Antoinettenstraße sollte für den von und nach Norden fließenden innerstädtischen Verkehr leistungsfähig gestaltet bleiben – statt diese künftig zur Promenade umzubauen.
Als zweite lärmmindernde Maßnahme kann mit der Einengung durch die bereits vorgesehenen Parksteifen auf der Westseite der Albrechtstraße dem vielfach überzogenen Tempo entgegen gewirkt werden. Durch die zusätzliche Anordnung von Radstreifen ließe sich diese Wirkung noch wesentlich verstärken. Wie? Durch einfaches Abmarkieren. Wir schlagen vor, in beiden Fahrtrichtungen fachgerechte Radfahrstreifen auf der bisherigen Fahrbahn zu markieren. Diese könnten an den Bushaltestellen oder durchgängig gemeinsam mit dem Busverkehr geführt werden. Dafür würden keine wesentlichen zusätzlichen Kosten entstehen. Gleichzeitig würden sichere und bequeme Radwege hergestellt werden, für die absehbar im städtischen Haushalt keine Mittel zur Verfügung stehen. Auf diese Weise würde dem ursprünglichen Ansinnen entsprochen, die Mittel aus dem Konjunkturpaket auch für die Verbesserung der Radwegsituation zu nutzen.
Stadteinwärts geht die Verwaltung davon aus, dass eine Fahrspur ausreicht. Für den stadtauswärts führenden Verkehr soll das nicht gelten? Spätestens mit der Umgestaltung des Albrechtsplatzes wird der Verkehr weiter abnehmen. Bereits bisher ist die zweite Fahrspur vor allem dafür da, Rasern das Überholen zu ermöglichen. Das muss nicht sein!
So lange kein Geld für die ordentliche Herstellung der heutigen separaten Radwege zur Verfügung steht, könnten die Radfahrstreifen auf der Fahrban zumindest als Zwischenlösung gute Dienste leisten und weitere Erfahrungen bringen. Studien aus anderen Städten – aber auch an der Dessauer Kavlierstraße – zeigen, dass die Führung von Radstreifen auf der Fahrbahn sogar sicherer ist als separat geführte Radwege. Sollten irgendwann Mittel für die Sanierung der separaten Radwege vorhanden sein oder sollten die Erfahrungen mit den Radfahrstreifen wider Erwarten negativ ausfallen, ließe sich der Zustand ohne weiteren baulichen und finanziellen Aufwand umgehend wieder ändern.
Stefan Giese-Rehm
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