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FraktionFraktion im Stadtrat Dessau-Roßlau

Wir für Dessau-Roßlau

Die Ruinen des Oberbürgermeisters

11.01.2006 In der Dezemberausgabe des Amtsblatts hat der Oberbürgermeister der Stadt, Hans-Georg Otto, die „städtebaulichen Glanzpunkte zwischen der Scheibe Süd und der Poststraße“ und deren Bedeutung für Dessau herausgearbeitet. Unabhängig davon, dass einige der von Herrn Otto benannten Projekte schon vor dessen Amtszeit begonnen wurden, lässt die Aufzählung des OB’s ein geschöntes Bild Dessaus entstehen, welches so nicht stehen bleiben sollte.

So gammelt beispielsweise der Kristallpalast mit seiner denkmalgeschützten Erdmannsdorff-Fassade seit Jahren trostlos vor sich hin, obwohl der Oberbürgermeister für dieses Gebäude immer wieder eine Nutzung, beispielsweise als Internationales Kongresszentrum in Aussicht gestellt hatte.

Das Friederikenbad, ein wertvoller Jugendstilbau, den jeder aus Osten kommende Besucher der Stadt wahrnimmt, war Anfang der neunziger Jahre noch in einem einwandfreien Zustand. Im Jahr 2006 kann keine Aussage darüber getroffen werden, ob dieses Gebäude überhaupt noch zu halten ist, obwohl sich für das Gebäude aufgrund seiner Lage an der Mulde mit Sicherheit ein Nutzer hätte finden lassen.

Die Museumskreuzung ist auch abgesehen vom traditionsreichen „Tuchhaus Seiler”, dem späteren Horten Kaufhaus, nur noch ein Schatten ihrer selbst. So beherbergt das nicht minder bedeutsame „Kaufhaus Eduard Zeek” heute mehrere Billigläden, anstatt – wie bereits in der Vergangenheit – zum „KaDeWe Dessaus” entwickelt zu werden. Dass in diesem Umfeld auch benachbarte Geschäfte massive Umsatzverluste hinzunehmen haben, darf nicht verwundern.

Schade Brauerei und Wasserturm

Ende 2004 hat der Verwaltungsrat der DWG mit großer Mehrheit beschlossen, die drei DWG- Verwaltungsstandorte in einem zu zentralisieren, um auf diese Weise Kosten einzusparen. Daraufhin brachten wir die Idee vor, einen Teil der früheren Schade Brauerei zum Verwaltungssitz der DWG umzunutzen. Dieser wichtige Impuls hätte zu einer Aufwertung nicht nur der Langen Gasse, sondern der gesamten Innenstadt geführt. Nachdem auch die Fraktionen von CDU und PDS diesen Gedanken befürwortet hatten und sich eine Mehrheit für den Standort Schade Brauerei abzeichnete, wurde die Entscheidung des Verwaltungsrates aus dem Jahr 2004 kurzerhand gekippt und statt dessen entschieden, auf die doch so wichtige Zentralisierung zu verzichten. Nun soll sogar in die marode Bausubstanz der bisherigen Dienstgebäude der DWG investiert werden! Bedauerlicherweise haben weder der Oberbürgermeister, noch der Baudezernent eigene Ideen vorgebracht, was nun aus der Schade Brauerei werden soll.

Auch der Wasserturm am Lutherplatz fristet seit Jahren ein trauriges Dasein – unverständlich, dass die Stadtverwaltung unter Herrn Otto noch nicht einmal in der Lage ist, über eine Sicherungsverfügung das Dach abdichten zu lassen, um wenigstens dem weiteren Verfall entgegenzuwirken. Dies gilt um so mehr, als der Wasserturm eine wichtige „Landmarke” für die eventuell in Dessau stattfindende Landesgartenschau darstellt.

Kritische Bestandsaufnahme – Weiche Standortfaktoren

Es geht nicht darum, Dessau schlecht zu reden, zweifelsfrei hat sich die Stadt in den letzten Jahren sehr zum positiven gewandelt. Es muss jedoch möglich sein, die Frage zu stellen, ob nicht mehr hätte erreicht werden können.

Dies gilt um so mehr, als ein intaktes, attraktives Stadtbild zu den weichen Standortfaktoren zählt, die darüber entscheiden, ob beispielsweise eine dringend benötigte Fachkraft bei einem Unternehmen in Dessau oder doch in Leipzig einen Arbeitsvertrag unterschreibt. Auch für potentielle Firmenansiedlungen sind derartige Standortfaktoren schon heute von großer Bedeutung. Schließlich würden vielleicht auch mehr Mitarbeiter des Umweltbundesamtes Ihren Wohnsitz in Dessau nehmen, wenn die Stadt eine größere Attraktivität hätte.

Es steht außer Frage, dass die Stadt Dessau nicht in jedem Fall als Investor auftreten kann. Gerade in Zeiten leerer Kassen müssen dann aber alternative Lösungen zugelassen und erprobt werden. Dies gilt um so mehr, als einige „städtebauliche Glanzpunkte” der Stadt eben durch solche Lösungen herbeigeführt werden konnten – und zwar oftmals gegen den massiven Widerstand des Oberbürgermeisters.

Dazu zählt das südliche Gasviertel, in dem heute wieder Hunderte Arbeitsplätze ansässig sind. Die Verwaltungsspitze und eine Mehrheit des Stadtrates wollten eben dieses denkmalgeschützte Gebäude zum Abriss freigeben. Das Schwabehaus, dessen Erhalt mittlerweile mehrfach durch Preise honoriert wurde und das sich zu einem beliebten Begegnungszentrum entwickelt hat, würde – hätte sich Herr Otto seinerzeit durchsetzen können – heute nicht mehr existieren. Daneben konnten auch zahlreiche Rathäuser in den Dessauer Vororten durch Initiativen und Vereine erhalten und einer neuen Nutzung zugeführt werden. Schließlich wäre auch die frühere Schultheiss Brauerei im Jahr 2006 ohne bürgerschaftliches Engagement wohl nicht mehr vorhanden oder zumindest so stark geschädigt, dass ein Erhalt finanziell nicht mehr leistbar wäre.

Chemnitz als Vorbild?

Das Argument, nach dem Dessau durch Kriegseinwirkung und De-Industrialisierung besonders stark gebeutelt wurde, kann übrigens nicht überzeugen: Auch Chemnitz hat eine ähnliche Historie wie Dessau, steht aber heute deutlich besser da.

Nach dieser ernüchternden Bilanz des Oberbürgermeisters muss es zukünftig sehr viel mehr die Aufgabe des Stadtrates sein, eine positive Entwicklung des Erscheinungsbildes der Stadt Dessau herbeizuführen und die Verwaltung mit der Umsetzung unterschiedlichster Lösungsansätze zu beauftragen. So sollten der politische Raum und die Verwaltung gemeinsam an einer einvernehmlichen Lösung für die Schade Brauerei arbeiten.

Dessaus Erscheinungsbild ist verbesserungsbedürftig! Der wiederholt vorgebrachte Vorwurf an die örtliche Presse, nur die Schattenseiten der Stadt zu thematisieren, zielt ins Leere. Die Selbstgerechtigkeit der Verwaltungsspitze darf nicht länger der Maßstab für die Zukunft der mehr als traditionsreichen Stadt Dessau sein.

Thomas Busch