Logo BlBürgerliste/Die Grünen

FraktionFraktion im Stadtrat Dessau-Roßlau

Wir für Dessau-Roßlau

UBA sollte Dessau Ansporn sein

13.12.2004 In wenigen Monaten wird das Umweltbundesamt (UBA) aus Berlin nach Dessau umziehen und hier seine Arbeit aufnehmen. Abgesehen von dem sehr gelungenen Neubau, der schon heute einen wichtigen Anziehungspunkt darstellt, kann und sollte der Umzug des UBAs wichtige Impulse für die weitere Entwicklung der Stadt setzen.

Traditionelle Innovation – Gartenreich, Bauhaus und Junkers

In Dessau wurden schon in der Vergangenheit Entwicklungen auf den Weg gebracht, die für die Stadt, die Region und teilweise sogar weltweite Auswirkungen hatten. So stand das Gartenreich des Fürsten Franz bereits im 18. Jahrhundert für ein weltoffenes liberales Fürstentum, das aufgeklärte Gelehrte aus ganz Europa anzog. Der Fürst brach mit der Tradition des Militarismus und investierte statt dessen in Kunst, Aufklärung und die progressive Gestaltung seines Fürstentums. Auch industriegeschichtlich ist Dessau bedeutsam: Nach Berlin wurde hier das zweite Elektrizitätswerk des deutschen Reiches eröffnet, die „Deutsche Continental Gasgesellschaft” würde nach heutigen Maßstäben als „Global Player” bezeichnet. In diesem Umfeld experimentierte der Ingenieur Hugo Junkers in alle Richtungen. Aus einer seiner zahlreichen Erfindungen ging das erste Ganzmetallflugzeug der Welt hervor. Für viele ist dessen Weiterentwicklung, die Ju 52 das bis heute erfolgreichste Flugzeug der Welt. Das von den Nazis aus Weimar vertriebene Bauhaus zog in den zwanziger Jahren die künstlerische Avantgarde des 20. Jahrhunderts nach Dessau, im Freundeskreis des Bauhauses saß u.a. Albert Einstein. Auch nach dem Krieg behält Dessau seine hohe Bedeutung: Innovative Bauvorhaben wurden vorab in Dessau getestet, die Ypsilonhäuser und die Scheibe Nord zeugen noch heute davon. An der Westfassade der Scheibe Nord wurde bis zur Mitte der neunziger Jahre auf die „Kühlwaggons – aus Dessau in die ganze Welt”, ein weiteres Produkt der Stadt verwiesen. Mit der Wende verblasste der Stern Dessaus zunächst: Die großen Industriebetriebe wurden abgewickelt oder arbeiten nur noch mit einem Bruchteil ihrer früheren Belegschaft. Noch immer künden innerstädtische Brachen von den unbewältigten Problemen der Stadt: Der Horten-Standort harrt wie der Kristallpalast oder das Quartier an der Langen Gasse einer Entwicklung, die dieser Stadt würdig ist.

Umweltbundesamt in Dessau

Hier kann und muss das Umweltbundesamt als Katalysator für weitere Entwicklungen wirken: Im Umfeld des UBAs sollte die Dessauer Wirtschaft auf Umwelttechnologien und die Stadt zum Wissenschaftsstandort ausgerichtet werden. Die Hoffnung auf den Großinvestor, der Tausende von Arbeitsplätzen schafft, hat sich nicht erfüllt. Noch fehlt hier hingegen ein Klima, das kleine innovative und zukunftsgerichtete Unternehmen nach Dessau zieht. Unabhängig von jeder parteipolitischen Argumentation kann hier die Zukunft liegen, immerhin stellen schon heute Umwelttechnologien den am stärksten boomenden Markt dar.

Dessau – Umweltstadt des Ostens?

Eigentlich ist Dessau dafür bereits gerüstet: So werden bei in Dessau Masten und Getriebe für Windkraftanlagen gefertigt, und eine Anlage entwickelt, mit der in Entwicklungsländern Flusswasser zu Trinkwasser aufbereitet werden kann. Es sei daran erinnert, dass Dessau schon in den siebziger Jahren die fahrradreichste Stadt Europas nach Kopenhagen war.

Die „Bauhausstadt im Gartenreich” zur Stadt des Umweltbundesamtes weiterentwickeln

Die Ansiedlung des UBAs kann für Dessau eine Entwicklung bedeuten, die das Bauhaus oder Junkers in den zwanziger Jahren hatte: Diese kann jedoch nur gelingen, wenn das Umweltbundesamt nicht als Fremdkörper gesehen wird. Ein Beispiel, wie es nicht laufen darf, ist die Fachhochschule. Sie hat zwar mittlerweile über 1.000 Studenten, wird aber in der Stadt nicht wahrgenommen.

Erfolge im Westen und im Osten

Dass die Neuausrichtung von Städten gelingen kann, mögen folgende Beispiele belegen: In Aachen wurden im Umfeld der Hochschulen mittlerweile 14 (!) Technologie- und Gründerzentren eröffnet – das der Stadt Dessau ist 15 Jahre nach der Wende gerade mal im Bau.

Chemnitz, wie Dessau eine bedeutende Industriestadt der DDR und im Krieg ähnlich stark zerstört, hat nach der Wende ganz bewusst zunächst in seine kulturellen Potentiale investiert, um so als moderne Industriestadt attraktiv zu werden. In Chemnitz wurde etwas ganz Neues angefangen, weil es mit dem Alten nicht weitergehen konnte. Auf Grund der positiven wirtschaftlichen Entwicklung konkurrieren die Unternehmen trotz einer hohen Arbeitslosenquote mittlerweile um exzellente Fachkräfte, schon werden die Einwohner umworben, die Chemnitz verlassen hatten, weil damals die Arbeit fehlte. Chemnitz hat kein Umweltbundesamt, kein weltberühmtes Bauhaus und keine junge innovative Hochschule. Dessau verfügt über all diese Faktoren, über mehrheitlich hervorragend ausgebildete Fachkräfte und eine Tradition des Erneuerns und der Innovation.

Wenn sich diese Stadt auf Ihre Werte besinnt und neue Entwicklungen zulässt, dann hat Dessau das Zeug, um zu einer attraktiven, weltoffenen und lebenswerten Stadt aufzusteigen.

Thomas Busch