Wir für Dessau-Roßlau
07.03.2005 Die Fraktion Bürgerliste/Die Grünen ist nicht der Meinung, dass bloßes Ignorieren die angemessene Reaktion auf den für den 12. März 2005 geplanten Neonaziaufmarsch in Dessau ist. Oberbürgermeister und Stadtratsmitgieder äußerten sich nach einer Sitzung der Geschäftsordnungskommission dahingehend, um so den Rechten keine öffentliche Aufmerksamkeit zu schenken.
Insbesondere der Aufruf an die Dessauer Bürger, keine Gegenveranstaltungen durchzuführen, verspottet die Menschen, die in letzter Zeit in anderen Städten durch verschiedene Aktionen immer wieder Zeichen gegen ähnliche Aufzüge von Revanchisten setzten. Die Fraktion unterstützt den Aufruf zur Kundgebung des Bündnisses gegen Rechtsextremismus.
Es ist an der Zeit, sich offensiv mit rechtsextremen Parteien und Kamerad-schaften, mit ihren Bestrebungen und Aktivitäten, auseinanderzusetzen.
Und wenn an Dessau keiner vorbeikommt, dann auch an dieser Tatsache nicht!
Wie sehr sich Rechtsextreme in unserer Gesellschaft etablieren und ihre Ideologien leider auf fruchtbaren Boden fallen, sollte uns allen bewusst sein. Um so mehr sind alle demokratischen Kräfte gefordert, sich dem Ansinnen der Neonazis und der damit verbundenen Gefahren entgegenzustellen.
In Dessau sorgt man sich jedoch eher um das Image der Stadt. Der lange und beschwerliche Weg bis zur Einweihung des Mahn- und Informationspunktes Zyklon B hat das sehr deutlich gemacht. Und erst kürzlich wurde die Aufstellung einer Skulptur im Stadtpark rege diskutiert und letztlich regelrecht zerredet. Auch hier hatte man Bedenken zu eventuellen Zerstörungen und wie sich diese auf das Ansehen der Stadt auswirken könnten.
Es ist eine Farce, am 7. März zum Gedenken an die fast vollständige Zerstörung Dessaus aufzurufen und jenen, die die Verbrechen der Nazizeit verharmlosen, gar leugnen, am 12. März die Straßen zu überlassen.
Ein verantwortungsvoller Umgang mit der Geschichte unserer Stadt, dem Hauptproduktionsort des Massenvernichtungsmittels Zyklon B, einem ehemals bedeutenden Rüstungsstandort, kann das Image der Stadt aufwerten. Auch der deutliche Widerstand verschiedenster demokratischer Kräfte gegen den nunmehr zweiten Neonazi-Aufmarsch in unserer Stadt, stünde Dessau gut zu Gesicht.
Zivilcourage zeigen, sich offensiv für Demokratie und Menschenrechte, gegen Nationalismus und Rassenhass einsetzen, das sollte bei allen Bürgern und vor allem bei den politisch Verantwortlichen der Stadt oberste Priorität haben. Dann wäre Dessau von allen Sorgen um sein Image befreit.
Weggucken und Ignoranz sind die wahrlich falschesten Mittel, sich mit Rechtsextremismus in Vergangenheit und Gegenwart auseinanderzusetzen.
Lydia Skrajewski
